Relevanz und Zielsetzung

Es ist 2018. Gleichstellung der Geschlechter ist seit fast 70 Jahren Teil des Grundgesetzes.  Seitdem hat sich viel verbessert - real umgesetzt ist Gleichstellung aber noch lange nicht: Sei es Sexismus im Alltag, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Lohnungleichheit. Ein Grund dafür sind festgefahrene, ungleichheitsfördernde Strukturen. Insbesondere spielen aber auch Geschlechterstereotype und Rollenerwartungen an Männer und Frauen eine große Rolle. Beispiele dafür sind der starke, emotionslose, heldenhafte Mann gegenüber der schwachen, irrationalen, hilfsbedürftigen Frau. Wissenschaftlich sind sie nicht haltbar, gesellschaftlich wirkmächtig aber schon - vermittelt durch Erziehung, Medien etc. Somit reicht es nicht, politische Veränderungen voranzutreiben. Vielmehr müssen wir uns fragen, inwiefern die Internalisierung von gesellschaftlichen Geschlechternormen die gegenwärtigen Ungleichheiten fördert. Die auf dem herrschenden Männerbild basierende Privilegierung von Männern fördert immer noch allzu häufig die Benachteiligung von Frauen. Dies geschieht zwar oft unbewusst, ist aber deshalb nicht weniger wirkungsstark. So können durch das eigene Verhalten oder das stillschweigende Hinnehmen von Fehlverhalten anderer Männer bewusst und unbewusst Ungleichheitsstrukturen aufrechterhalten werden - auch bei der abstrakten Unterstützung von Gleichberechtigung. Dabei gibt es gute Gründe für Männer, ein Eigeninteresse an Chancengleichheit zu haben. Schließlich schränken die Geschlechterbilder nicht nur Frauen, sondern auch Männer im freien Ausdruck ihrer Persönlichkeit ein.  Insbesondere beeinflussen einige Merkmale des weit verbreiteten Männlichkeitsbildes (wie Unterdrückung von Emotionen und Unverletzlichkeitsanspruch) nachgewiesenermaßen die körperliche und psychische Gesundheit von Männern. Zusätzlich wurde nicht zuletzt immer wieder bewiesen, dass sich Geschlechtergerechtigkeit positiv auf die Wirtschaft und die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft auswirkt. Also noch ein weiterer, wichtiger Grund, sich auch als Männer aktiv für eine gleichberechtigte Gesellschaft zu engagieren.

 

Nun sind Männer in der feministischen Bewegung aber weitestgehend abwesend. Dabei heißt doch Feminismus kurz und knapp: Der Glaube an und das Einsetzen für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Und Männer als privilegierte gesellschaftliche Gruppe haben dabei eine besondere Verantwortung, die Verhältnisse zu ändern. Zudem zeigt sich in der Forschung immer wieder: Es braucht Männer, um Männer zu ändern. Denn Männer reflektieren sich in ihrer Männlichkeit vor Allem dann, wenn sie von Männern aufgeklärt werden. Es liegt also ein Potenzial darin, Feminismus als ein gemeinsames Projekt aller Geschlechter zu betrachten. Wo sind also die Männer, die sich aktiv für Gleichstellung einsetzen? Wie kann ihre Rolle in dieser Bewegung aussehen? Und welche Rolle spielen Frauen bei der Einbeziehung von Männern? Diesen Fragen wollen wir an dem Wochenende nachgehen. Dabei gehen wir davon aus, dass diese Fragen nicht beantwortet werden können, ohne sich Männlichkeitsbilder in unserer Gesellschaft anzuschauen und ihre Wirkung auf Gleichstellungsbemühungen zu analysieren. Dabei wird es nicht bei der theoretischen Auseinandersetzung bleiben. Vielmehr soll es auch um konkrete Handlungsmöglichkeiten gehen.

 

Eingeladen seid ihr alle: egal welchen Geschlechts, sexueller Orientierung, Studienhintergrundes/Berufs, politischer Gesinnung und inhaltlichen Vorwissens. Lasst uns gemeinsam in einen Dialog treten: Konstruktiv, selbstreflexiv und in gegenseitiger Wertschätzung. Lasst uns dabei das aktuelle, ungleiche Geschlechterverhältnis nicht verharmlosen. Aber lasst uns auch nicht vergessen, dass wir grundsätzlich sicherlich alle das selbe Ziel haben: Eine gleichberechtigte Gesellschaft, in der alle frei von Rollenzuschreibungen ihr Entwicklungspotenzial ausleben können!